Ernährung von Kaninchen

Heute geht es um ein in der Theorie offensichtlich ganz banales, aber in der Praxis oft vernachlässigtes Thema. Um das zu verdeutlichen möchte ich am Anfang wieder eine  Zahl in den Raum stellen. 80% der mir in der Praxis vorgestellten Krankheiten bei Kaninchen sind verursacht durch eine falsche Haltung und die Ernährung ist in diesem Zusammenhang sicherlich ein „Big Player“.

 

 

Ziel einer artgerechten Fütterung muss es sein, der Natur möglichst nahe zu kommen und das ist eigentlich gar nicht so schwer. In diesen Situationen stelle ich den Tierbesitzern gerne die Frage was sie unter einer natürlichen Ernährung verstehen. Die Klassiker bei den Antworten sind immer Salat, Karotten, Gurken, Pellets, trockenes Brot und Petersilie. Meine nächste Frage ist dann, welche der genannten Dinge überhaupt im natürlichen Lebensraum eines Kaninchen vorkommen.......meist folgt nur ein betretenes Schweigen. Dabei ist die Antwort doch ganz einfach...Gras, Gras, Gras, und nochmals Gras,  denn viel mehr gibt es auf normalen Wiesen nicht. 

 

 

Ok, während der Erntezeit fällt schon mal das ein oder andere Getreidekorn auf den Boden, aber glauben sie nicht, dass diese alle immer die Kaninchen abkriegen, denn hier herrscht eine erbarmungslose Nahrungskonkurrenz mit allem was in der Flur so läuft, kriecht und fliegt.

Um das ganze etwas besser zu verstehen, sollten wir uns kurz mit der natürlichen Nahrungsaufnahme der Kaninchen beschäftigen, es dreht sich im deren Leben wirklich fast nur um 2 Dinge, nämlich Fressen und Fortpflanzung.  Dazu hat die Natur sie mit einer perfekt auf den Lebensraum abgestimmten Anatomie ausgestattet. Das fängt bei den Zähnen an und setzt sich mit einem Verdauungstrakt fort, der mit einem riesigen Blinddarm mit Unmengen an Bakterien darin ausgestattet ist, um die rohfaserreiche Kost überhaupt verdauen zu können. 

 

 

Wenn sie sich also nicht gerade fortpflanzen fressen sie eigentlich immer. Mit ihren scharfen Frontzähnen schneiden sie die Gräser in kleine Stücke um diese dann mit den Backenzähnen zu zermahlen. Hierzu muss man wissen, dass die Zähne permanent nachwachsen, denn der Abrieb der Zähne beim Kauen von rohfaserreichem Material ist sehr groß. Man rechnet ungefähr 2-3 mm Zahnwachstum pro Woche. Den Zähnen ist es dabei aber völlig egal was das Tier frisst, sie wachsen munter weiter, auch wenn sie durch weiche Nahrung (z.B. Gurken) gar keinen Abrieb ausgleichen müssen. Folge: massive Zahnprobleme. 

 

 

Hat es dann das zermahlene Gras bis in den Blinddarm geschafft, fangen die fleißigen Bakterien mit der Zersetzung an. Dumm ist nur, dass diese Bakterien sich auf Rohfaser spezialisiert haben und z.B. mit Kohlehydraten aus Getreide, Obst oder Brot überhaupt nichts anfangen können. Folge: Verdauungsstörungen (oft lebensbedrohlich).

 

 

Und dann ist da auch noch der Mineralstoffgehalt, hier insbesondere das Kalzium im Futter von großer Bedeutung, denn ein Überschuss wird über die Niere mit dem Urin  ausgeschieden. Folge: Harnsteine bzw. sogenannter Blasenschlamm. 

 

Leider finden sich aber viele Futtermittel mit hohem Kalziumgehalt auf dem täglichen Speiseplan von Kaninchen, z.B Löwenzahn, Luzerne (Achtung Hauptbestandteil vieler Pellets!!!), Petersilie , Almwiesenheu (mit vielen Kräutern), Kalknagersteine (wer die erfunden hat, hat noch nie eine Kaninchenwiese gesehen, oder wachsen dort Steine???)  und vieles mehr. So enthalten auch die Rinden von Weiden- oder Eschenästen viel zu viel Kalzium, obwohl Äste an sich sehr gut für die Zahngesundheit sind. 

 

 

  

Sie sehen man kann, insbesondere  wenn man der Tierfuttermittelindustrie blind vertraut, sehr viel falsch machen. Sparen sie sich lieber das Geld für das ganze kommerziell hergestellte „junk food“ für Kaninchen, gehen sie mit der Familie auf eine Wiese und was sie da finden ist schon mal eine sehr gute Grundlage für eine gesunde Kaninchenernährung. In der Praxis halten wir für unsere Patienten weiteres Infomaterial und Listen mit geeigneten Futtermitteln parat, sprechen sie uns gerne an.

 

 

Herzlich

 

Ihr

 

Dr. Schäfer

 

 

Cindy muss zum Zahnarzt

Anlass für dieses Thema waren für mich die erschreckenden Ergebnisse einer Studie über die Zahngesundheit von 40000 Hunden. Zahn- Mund- und Kiefererkrankungen beginnen in der Regel im Alter von 2 Jahren und mit 6 Jahren haben 4 von 5 Hunden einen hochgradige Zahnfleischentzündung (Parodontitis).

 

Zahlen die zeigen, dass Aufklärung in Sachen Zahngesundheit dringend notwendig ist.

 

Ein gutes Beispiel ist hierbei der Fall von Cindy, einer 7 jährigen Cockerdame, die uns mit folgendem Vorbericht vorgestellt wurde. Cindy machte einen sehr traurigen Eindruck auf den Besitzer, sie wollte nicht richtig fressen, war lust- und antriebslos. Natürlich schob man diese Symptome am Anfang auf das fortgeschrittene Alter der Hundedame, aber als Cindy das Fressen fast ganz einstellte, was für einen Cocker wirklich etwas ganz ungewöhnliches darstellt, wurde eine gründliche Untersuchung eingeleitet.

 

Dabei stellte sich heraus, dass es insbesondere mit der Zahngesundheit von Cindy nicht weit her war. Die Zähne waren aufgrund des massiven Zahnsteins nur noch zu erahnen und das angrenzende Gewebe hochgradig entzündet. Diverse Blutwerte waren erhöht und ein Herzklappengeräusch war zu hören. Ganz schön viel für einen Hund im besten Alter.

 

Eine schnelle Hilfe konnte nur eine Sanierung der gesamten Maulhöhle bringen. Dabei musste der Zahnstein gründlich entfernt und eine entsprechende Zahnfleischbehandlung durchgeführt werden. Diverse lockere Zähne konnten aber nicht mehr gerettet werden und mußten gezogen werden. 

 

Cindy erholte sich erstaunlich schnell von dem Eingriff und die Tabletten, die sie zur Nachbehandlung schlucken mußte, bedeuteten zweimal täglich ein Extraleckerchen.  Die Blutwerte besserten sich rasch und Cindy fand zu ihrer alten  Spiellaune zurück.

 

 

Zähne vor der Behandlung
Zähne vor der Behandlung
Zähne nach der Behandlung
Zähne nach der Behandlung

Wie hatte es überhaupt so weit kommen können?


Die Maulhöhle des Hundes beherbergt ein großes Spektrum an Bakterien, die unter normalen Umständen keinen Schaden anrichten können. Jeden Tag kommen durch Schlecken in einer Pfütze oder an anderen appetitlichen  Dingen neue Bakterienspezies hinzu. Nun bilden sich aber mit der Zeit Zahnbeläge auf den Zähnen, teils durch falsche Ernährung bzw. mangelnde Zahnpflege, aber wir wissen auch, dass bestimmte Rassen eine besondere Anfälligkeit dafür besitzen. Unter diesen Zahnbelägen (Plaque) finden oben genannte Bakterien ideale Lebensbedingungen, vermehren sich still und heimlich und beginnen ihr zerstörerisches Werk am Zahnfleisch, dem sogenannten Zahnhalteapparat und dem Kieferknochen. Folgen sind eine hochgradige Zahnfleischentzündung (Parodontitis), in deren Folge sich das Zahnfleisch und der Kieferknochen zurückziehen und die Zahnwurzelhälse freigeben. Neben den offensichtlichen Schmerzen für das Tier sind solche stark angegriffenen Zähne nicht immer zu erhalten.

 

Allerdings ist die Betrachtung der Parodontitis als isoliertes, lokales Geschehen grundsätzlich falsch. Als beständiger Entzündungsherd kann diese weitreichende Folgen für den gesamten Körper wie Herzklappen, Herzmuskel, Leber, Niere und die Gelenke nach sich ziehen.

Wie können Sie nun bei Ihrem eigenen Hund eine solche Parodontitis erkennen?

 

Viele dieser Symptome werden vom Besitzer aber falsch gedeutet, weil er glaubt der Hund wird mit zunehmendem Alter einfach ruhiger. Die Unauffälligkeit dieser Erkrankung macht die Parodontitis so gefährlich und die Schäden leider so weitreichend.

 

Einen ganz wichtigen Punkt habe ich mir bewusst bis zum Schluß aufgehoben. Denn nach einer gründlichen Zahnsanierung ist die Mitarbeit des Besitzers dringend erforderlich. Zähneputzen mit einer Hundezahnpasta (schmeckt lecker nach Hühnchen sagt Cindy), spezielles Futter und sogenannte Kauknochen können ein Hundegebiß und damit letztendlich den Hund lange gesund erhalten. Insbesondere bei der Zahngesundheit gilt aber der alte Spruch, dass Vorbeugen besser ist als Heilen und deshalb sollte diese Zahnpflege auch schon im Welpenalter beginnen.

 

 

Mit tierischen Grüßen

 

Ihr

 

Dr. Schäfer